Die Lobodots
  ARD
 
11.o4.2010 28 minuten!
Eine Liebesgeschichte von der Straße
Film von Caterina Woj
NOTIZ: Benjamin (29) war noch nie beim Zahnarzt. Er schämt sich dafür, aber kann nicht aus seiner Haut. Er hat schlicht Angst davor, zum Arzt zu gehen. Viele Dinge in seinem Leben kann er nicht beeinflussen, denn die Kindheit hat ihn so geprägt. Seine Eltern, so erzählt Benjamin, hätten sich um nichts gekümmert, und sein Vater habe ihn misshandelt. Manchmal, wenn der Vater betrunken war, hatte Benjamin unter dem Tisch essen müssen - wie ein Hund. Deswegen ist sein Leben eben anders verlaufen und nicht wie bei „normalen" Menschen, erklärt Benny. Deshalb lebt er heute auf der Straße, in einem Zelt hinter einer Lärmschutzwand. Seit fünf Jahren. Es macht ihm nichts aus, wenn er sich bei Wind und Wetter Tag für Tag am Abend dorthin verkriecht. Dort schläft er, egal wie kalt es ist: Essen kochen mit einem Bunsenbrenner, schlafen auf Pappkartons. Vier Wände um sich herum kann er nicht ertragen. Als er zehn Jahre alt war, hat seine Mutter ihn weggeschickt: erst zu einer Pflegefamilie, später ins Heim. Angeblich, um ihn vor den Schlägen des Vaters zu schützen. Doch im Heim ist Benjamin nicht lange geblieben, hat sich lieber bei der Großmutter verkrochen. In einem Bauwagen haben sie beide gewohnt.
Vor drei Jahren hat er dann Nicole (19) getroffen, auch sie war obdachlos. Für beide war es Liebe auf den ersten Blick. Schon nach ein paar Monaten haben sie geheiratet. Seitdem geht es aufwärts mit Benjamin. Er hat angefangen zu malen: Phantasiegestalten, deren Geschichten er erzählt. Geschichten aus einer heilen Kinderwelt wie er sie als Kind nicht kannte. Ein Verlag hat seine Werke inzwischen gedruckt als Bücher und Kalender, die Nicole und Benny auf der Straße verkaufen. Jetzt haben sie eine richtige Arbeit, einen festen Tagesablauf: „Jetzt bin ich kein Sozialversager mehr", sagt Benjamin stolz.

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